Neues aus Schweiz: Es steht 2:0 für die CAM

Bericht vom 2. Europäischen Kongress für Naturheilkunde, Alternativ- und Komplementärmedizin, 5.- 6.9.2015 in Winterthur - von Nora Laubstein

Auf dem diesjährigen QuinMedica-Kongress im Anton-Graff-Haus trafen sich Anwender, Hersteller, Ausbildungsinstitute und versierte Laien, um zum Thema „Jung & Alt“ Erfahrungen auszutauschen und den gut besuchten Fachvorträgen zu lauschen. Den Startschuss gaben die ausführlichen Grußworte von Michael Künzle (Stadtpräsident Winterthur) und der Kantonsrätin Prisca Koller aus Zürich.

Berufspolitisch konnte dieser Kongress nicht besser terminiert werden: Seit dem 4. September 2015 ist auch der zweite staatlich anerkannte CAM-Beruf in der Schweiz Realität. Seit dem April dieses Jahres gibt es den Beruf „Naturheilpraktiker“ (OdA-AM=Alternativmediziner) – und ab sofort auch den „Komplementärtherapeut“ (OdA-KT)! Damit ist die Schweiz europaweit das erste Land, das über zwei staatlich anerkannte Berufe mit staatlich anerkannten Ausbildungen im Bereich Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) verfügt.

Die meinungsbildenden Medien als Forum für die seltsame Wissenschaftlichkeit des aus Bayern stammenden britischen Professors Edzard Ernst

In Medizinforschung ohne Patienten einsame Spitze

von Dr. Christian Ullmann

Unter dem Titel "Nazis, Nadeln und Intrigen" hat der aus Deutschland stammende britische Professor Edzard Ernst mit allen selbst ausgewiesenen Titeln MD, Ph, FMedSci, FSB, FRCP, FRCPEd seine Autobiografie veröffentlicht, mit der er gegen alternative und komplementäre Heilverfahren und seine Widersacher zu Felde zieht und sich als Enthüller der Verstrickungen dieser Medizin mit Nazi-Deutschland präsentiert. Fast kritiklose Unterstützung findet Ernst seit Jahren bei den meinungsbildenden Medien in den deutschsprachigen Ländern. So veröffentlichen Süddeutsche Zeitung, Tages-Anzeiger in Zürich und Basler Zeitung im März 2015 unter dem Titel "Wir lassen uns viel zu viel gefallen" ein ganzseitiges Interview mit Edzard Ernst.

Um Legendenbildungen entgegenzutreten, versucht der Autor Dr. Christian Ullmann, der seit Jahren die seltsame Publikationstätigkeit Ernsts verfolgt und zahlreiche seiner Aufsätze analysiert hat, eine Würdigung des Gesamtwerks.

Wenn deutsche Medien über komplementäre und alternative Heilverfahren informieren wollen, darf die Bezeichnung "sanfte Medizin" nicht fehlen: So etwa in einer WDR-Sendung "Sanfte Medizin und satte Gewinne" , in dem Focus-Titel "Die Wahrheit über sanfte Medizin" und zuletzt in dem Spiegel-Wissen-Themenheft "Natürlich heilen - Gesund mit sanfter Medizin".

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Rede auf dem Plenum des TCM Kongress Rothenburg 2015 | Dr. Andrea Hellwig, 1. Vorsitzende der AGTCM

"Medizin in der Krise. Methodologie der Irrtümer und Auswege"

Guten Morgen liebe Kollegen und geschätzte Freunde des TCM Kongress Rothenburg 2015! Ich möchte heute über Perspektiven und Paradigmen reden, über Hindernisse und Chancen, über das Weltbild der westlichen Wissenschaft und der Schulmedizin, deren Perspektiven und Grundannahmen, die sie nutzen um die Welt zu erklären und zu verstehen. Diese Paradigmen haben zentralen und ursächlichen Einfluss auf den Erfolg der Schulmedizin und unsere Gesundheitssysteme.

Wie viele von Ihnen würden der Aussage zustimmen, dass sich die Medizin in der westlichen Welt in einer Krise befindet? Dr. Sean Murphy äußerte sich wie folgt auf der Jahresversammlung der ETCMA in Prag in diesem Frühjahr über diese Krise und die Herausforderungen an die Gesundheitssysteme der europäischen Länder:

„Volkskrankheiten wie Diabetes, Übergewicht und Adipositas, Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Krebs etc. nehmen in den Europäischen Ländern dramatisch zu, die Patientenzufriedenheit bezüglich der Schulmedizin nimmt ab und gleichzeitig sehen wir in eine Zukunft mit stetig steigenden Gesundheits-Ausgaben.“

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„Weniger ist mehr – Neue Wege für den Patienten in die Gesundheitsversorgung“

Symposium, Berlin, 22. Mai 2015, Bericht von Angelika Koppe, ANME e.V.

Dieses Symposium wurde von der Robert-Bosch-Stiftung mit Unterstützung der Carl-Carstens-Stiftung veranstaltet. Voller Neugierde besuchte ich als ANME-Mitfrau diese Tagung, der Titel ließ hoffen….
Zum Thema beleuchteten Mediziner und Wissenschaftler verschiedene Aspekte und Quellen der heutigen Praxis des „Zu-viel- Behandelns“ im Gesundheitssystem und gingen der Frage nach, ob und wann „weniger- Handeln“, weniger PatientInnenversorgung, weniger Medikamente notwendig sein könnten.
Der erste Redner war Peter Gotsche, Direktor des Nordic Cronache Center, mit seinem Vortrag „Das Dilemma der Pharmakotherapie und mögliche Wege zu einem menschlichen Gesundheitssystem“. Der dänische Wissenschaftler belegte die Macht der Pharmaindustrie und den Mainstream von „noch-mehr- Medikamenten-Dosen“… mit teilweise tödlicher Auswirkung für die PatientInnen. Ein Zitat von Dr. Gotsche, »Evidence based Medicine sollte eigentlich Marketing based Medicine heißen.“ Dazu ein Artikel vom 24.4.2014 erscheinen in der Neuen Züricher Zeitung. Seine Forderungen sind eine bessere Aufklärung der PatientInnen und die Möglichkeit für ein dementsprechend ausführlichen Gesprächs. Sein Buch „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität – wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert“ sollte unbedingt gelesen und weiterverbreitet werden!!

Eidgenössischer Naturheilpraktiker/in ist Realität

Der Dachverband Komplementärmedizin Dakomed — Pressemitteilung vom 4. Mai 2015

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) hat am 28. April 2015 die Höhere Fachprüfung für Naturheilpraktikerin und Naturheilpraktiker genehmigt. Dadurch entsteht ein schweizweit anerkannter und geschützter Titel: Naturheilpraktikerin mit eidg. Diplom / Naturheilpraktiker mit eidg. Diplom. Der Beruf kennt vier spezifische Fachrichtungen: Ayurveda-Medizin, Homöopathie, traditionelle chinesische Medizin TCM und traditionelle europäische Naturheilkunde TEN. Damit ist eine der Kernforderungen zum Verfassungsartikel 118a Komplementärmedizin, nämlich die Schaffung von nationalen Diplomen für die nichtärztlichen Berufe der Komplementärmedizin, für eine erste Berufsgruppe erfüllt.

EU will Arzneimittelrecht für Tiere novellieren

Pressemitteilung der Kooperation deutscher Tierheilpraktiker e.V.

Die Europäische Kommission hat im September 2014 einen Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über Tierarzneimittel – KOM (2014) 558 - eingereicht. Die Verordnung soll das bisher geltende Recht für Tierarzneimittel novellieren bzw. ablösen. Mit dem Entwurf verfolgt die EU u.a. die Ziele, den Antibiotika-Einsatz bei Nutztieren einzudämmen, die Verfügbarkeit von Arzneimitteln für Tiere zu erhöhen und einen Beitrag zur Lebensmittelsicherheit zu leisten. 

Um dies zu erreichen, will die EU u.a. ein zentrales Zulassungsverfahren für Tierarzneimittel schaffen. Es soll eine Datenbank zur Erfassung von Meldungen zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen (Pharmakovigilanz) errichtet werden. Zudem sollen Tiere künftig nur noch solche Arzneimittel erhalten dürfen, die ausdrücklich als Tierarzneimittel zugelassen sind – bisher gibt es jedenfalls auf dem deutschen Markt keine getrennten Zulassungsverfahren für Human- und Tierarzneimittel.

Insbesondere letztere Änderung würde den Einsatz von komplementär-alternativmedizinischen Arzneimitteln (Homöopathika, Pflanzenpräparate, u. a.) faktisch unmöglich machen. Bisher werden nämlich insbesondere für nicht-lebensmittelliefernde Tiere in der Alternativmedizin überwiegend Humanarzneimittel eingesetzt. Für klassische Tierhomöopathen, die überwiegend mit Hochpotenzen arbeiten, wäre diese Regelung existenzbedrohend: da es kaum Hochpotenzen gibt, die für Tiere zugelassen sind, wenden klassische Tierhomöopathen und Tierhalter im Wesentlichen Humanarzneimittel an. Absurd erscheint die Forderung, homöopathische Arzneimittel für Tiere gesondert, also neben einer Registrierung als Humanarzneimittel, zuzulassen auch vor dem Hintergrund, dass gerade diese Arzneimittelgruppe für die Behandlung von Nutztieren besonders gefördert werden soll, da sie anerkanntermaßen keine Rückstände im Tier hinterlässt.

D/A/CH – Netzwerk für Gesundheitsförderung - Tagung am 4. März 2015 in Berlin

Bericht von Zeynep Sayman (ANME)

Diese Tagung fand im Zusammenhang mit dem Public Health-Kongress »Armut und Gesundheit« im Hauptgebäude der Technischen Universität Berlin statt.

Das deutschsprachige Netzwerk für nachhaltige Gesundheitsförderung in den drei Ländern Schweiz, Österreich und Deutschland hat sich 2010 gegründet. Die gemeinsame Tradition von verschiedenen Sozialversicherungsystemen und dezentraler Verantwortung auf der Ebene von Bundesländern bzw. Kantonen soll den fachlichen Austausch sowie die übergreifende Zusammenarbeit in den Bereichen der politischen Zuständigkeiten unterstützen.

In seiner Begrüßungsrede hob Prof. Dr. Eberhard Göpel, Gesundheitswissenschaftler und Koordinator von D/A/CH, den systematischen Ausbau der Gesundheitsförderung in der Europäischen Union im Sinne der Ottawa-Charta besonders hervor.

Deutsche Naturheilkunde-Szene entdeckt kulturelles Erbe

Sondierungsgespräch zur Antragsstellung bei der UNESCO-Deutschland: Die Traditionelle Naturheilkunde als immaterielles Kulturerbe – 28. Oktober 2014 in Baden-Baden.

Bericht von Nora Laubstein

Der Arbeitskreis für mikobiologische Therapie (AMT) hatte ins Palais Biron in Baden-Baden geladen, um sich in konstruktiver Runde Gedanken über eine Antragstellung bei der deutschen UNESCO zu machen. Herr Dr. Peters moderierte die Veranstaltung und begrüßte im Gremium Herrn Hanke (UNESCO-D), Frau Schröpel (Hessisches Ministerium f. Wissenschaft + Kunst), Frau Heinze (Hufelandgesellschaft e.V.), Frau Laubstein (ANME e.V.), Frau Prof. Dr. Kraft (Uni-Rostock) und Frau Dr. Noseck-Licul (Dokumentationszentrum CAM, Wien).

Als Vertreter der deutschen Antragsteller waren erschienen: Frau Neff (DNB e.V.), Frau Wais (DAMID e.V.), Herr Dannhart (KNEIPP-Bund e.V.), Frau Dr. Boeddrich + Herr Krebs (EHK e.V.), Herr Mayer (HVB e.V.), Herr Germann (BDH e.V. + Phytaro), Frau Dr. Keim (IGHH e.V.) und Herr Dr. Schmidt (AMT e.V.). Somit waren neben Ärzten und Heilpraktikern auch die Patienten vertreten - eine Mischung, die sich im Verlauf der Veranstaltung als große Bereicherung erwies.