Aufruf zur Teilnahme an einem multi-nationalen Antrag bei UNESCO auf Sowa Rigpa / Tibetische Medizin als ‘Geistigem Weltkulturerbe’

(Intangible Cultural Heritage, ICH) in Deutschland

Verband für Traditionelle Tibetische Medizin

China hat im letzten Jahr einen eigenen Antrag für Tibetische Medizin alias Sowa Rigpa, auf Tibetisch ‘das Wissen vom Heilen’, als Chinas Geistigem Kulturerbe (Intangible Cultural Heritage, kurz ICH) bei der UNESCO gestellt. Auf Grund einer nationalen UNESCO- Wartelisteregelung muss China jedoch bis zum Herbst 2016 warten, um Tibetische Medizin offiziell als ICH einschreiben zu können. Daher ist es jetzt unsere einzige Chance, Tibetische Medizin multinational und weltweit anerkannt zu bekommen und dadurch auch national jeweils den Weg zur offiziellen Anerkennung dieses Medizinsystems zu ebnen, indem wir jetzt in diesem Jahr gemeinsam einen multi-nationalen Antrag auf Sowa Rigpa (Tibetische Medizin) stellen, zu dem wir China einladen werden teilzunehmen. Wir sind explizit nicht politisch und auch nicht religiös oder sektiererisch motiviert.

Wer heilt hat Recht? – Wien, 18. Juni 2014

Bericht von Renate Conrad

Das Dokumentationszentrum für traditionelle und komplementäre Heilmethoden veranstaltete eine Tagung mit dem Thema: Wer heilt hat Recht? Zur Integration traditioneller und komplementärer Heilmethoden.  Frau Dr. Michaela Noseck-Licul, die Leiterin des Zentrums, lud dazu am 18. Juni ins Weltmuseum nach Wien ein. Die Tagung war anberaumt von 10:00 bis 15:30 Uhr und danach eine Podiumsdiskussion mit den insgesamt sechs Vortragenden. Es nahmen rund dreißig Personen an der Tagung teil, die fast alle aus der Umgebung von Wien kamen und größtenteils der Berufsgruppe der Energetikerinnen angehören.

Frau Dr. Noseck-Licul beschäftigt sich als Kulturanthropologin mit der Frage der Wirksamkeit und Sicherheit traditioneller und komplementärer Heilmethoden. In der Forderung nach Sicherheit und Qualität sieht sie eine Notwendigkeit und Herausforderung für nicht reglementierte Berufe.

Die moderne Schulmedizin belegt mit klinischen Studien ihre Wirksamkeit. Bei traditionellen Heilmethoden sei zudem der philosophische, kulturellen und psychischen Hintergrund zu berücksichtigen, führte sie aus. Dies mache den Kulturvergleich zu einem hilfreichen Werkzeug, da selbst die Schulmedizin in anderen Ländern eine spirituelle Komponente aufweise.

Im folgenden Vortrag sprach Herr Dr. Rosario de Pribyl vom Ethnomedizinischen Lateinamerika-Arbeitskreis, EMLAAK zum Thema Gesundheitswesen und traditionelle Heiler in Peru: Ansätze zur Qualitätssicherung. Das riesige Land Peru hat mit allen Problemen ehemals kolonialisierter Länder zu kämpfen: Abgrenzung, Rassismus, Armut, Verständigung. Von den 27 Mio. Einwohnern leben 75% in den Städten und 25% auf dem Land oder im Dschungel. 9% der Bevölkerung ist afrikanischer und asiatischer Herkunft. Den größten Bevölkerungsanteil stellen Indios und die gemeinsamen Nachkommen. Unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Weltsicht führen zu großen sozialpolitischen Herausforderungen, was besonders bei der Gesundheitsversorgung deutlich wird.

Der Mediziner und Philosoph, Honorio Delgado, der auch in Europa hoch anerkannt war, hat bereits um 1925 ein Bildungsmodell zur Gesundheitsaufklärung eingeführt. Hierbei entstand eine intensive Zusammenarbeit mit traditionellen Heilern und mündete in einer politischen Bewegung mit der Forderung nach mehr Selbstbestimmung. Diese wurde jedoch von der Regierung eingedämmt.