Auswirkungen der Tierarzneimittel-Verordnung der Europäischen Union auf die alternative Tiermedizin

Pressemitteilung der Kooperation deutscher Tierheilpraktiker Verbände e.V.

Kooperation deutscher Tierheilpraktiker Verbände e.V.Die Kooperation deutscher Tierheilpraktiker-Verbände e. V. nimmt erfreut zur Kenntnis, dass die Bundesregierung die Verordnung vertieft prüfen wird. Darin liegt  eine Chance, unsere Vorstellungen und Anliegen in die Beratungen einfließen zu lassen. Die Kooperation zeigt sich erfreut über die Aussage der Bundesregierung, dass diese die therapeutische Vielfalt der Tierheilkunde begrüßt und Tierhalter den Nutzen aus dieser Verfügbarkeit ziehen können sollen. Positiv beurteilen wir die Feststellung, dass Tierheilpraktiker auch weiterhin im Rahmen der derzeitigen rechtlichen Möglichkeiten ihren Beruf ausüben können sollen.
Die Kooperation teilt die Einschätzung, dass bei Homöopathika ab Verdünnungen von D 23/C11 Nebenwirkungen durch den Wirkstoff ausgeschlossen werden können. Daraus folgt, dass eine Beschränkung der Verabreichung dieser Potenzen an Nutztiere auf Tierärzte (s. VO Nr. 37/2010, Rückstandshöchstmengen-VO) unverhältnismäßig ist und die Berufsfreiheit von Tierheilpraktikern sowie die Handlungsfreiheit von Tierhaltern (insbes. Landwirten) grundgesetzwidrig einschränkt – und zwar bereits nach geltender Rechtslage. Die Bundesregierung sollte die Chance ergreifen, diesen Fehler  im gegenwärtigen Verfahren der Beratung der EU-Tierarzneimittel-VO zu korrigieren. Die Feststellung zeigt ferner, dass eine erneute Registrierung von homöopathischen Arzneimitteln, die schon als Arzneimittel registriert sind, als „Tierarzneimittel“ überflüssig ist.

Gleichzeitig sieht die Kooperation mit Sorge, dass die von der Bundesregierung angestrebte und befürwortete Trennung von „Tierarzneimittelrecht“ und „Futtermittelrecht“ dort ins Leere geht, wo die EU-Tierarzneimittel-Verordnung Futtermittel ins Arzneimittelrecht einbezieht bzw. nicht explizit ausklammert. Hier besteht ein wichtiger Unterschied der VO im Vergleich zum geltenden deutschen Arzneimittelrecht. Das AMG nimmt Futtermittel ausdrücklich vom Anwendungsbereich des AMG aus (§ 2 Abs. 3 Nr. 6), die EU-Tierarzneimittel-VO tut dies nicht. Es besteht also die konkrete Gefahr, dass künftig Futtermittel zu Arzneimitteln umdefiniert werden und die angestrebte Trennung unterlaufen wird. Bedenklich ist ferner, dass die Bundesregierung behauptet, die EU-Tierarzneimittelverordnung enthalte kein „explizites Verbot“ der Anwendung von Humanarzneimitteln bei nicht lebensmittelliefernden Tieren (z.B. Hund, Katze, Meerschweinchen etc.). Die systematische Auslegung des Verordnungstextes zeigt, dass von der EU ein solches Verbot beabsichtigt ist. Ein solches Verbot würde die Anwendung von naturheilkundlichen Mitteln durch Tierhalter, Landwirte und Tierheilpraktiker, insbesondere von Homöopathika, faktisch unmöglich machen.

Nach Gesprächen mit der Kooperation deutscher Tierheilpraktikerverbände e. V., in deren Verlauf Fragen bezüglich der geplanten EU-Verordnung für Tierarzneimittel erörtert werden konnten, hat die Partei DIE LINKE eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, die unter dem folgenden Link eingesehen werden kann: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/063/1806305.pdf

Die Antwort des Deutschen Bundestages vom 02.11.2015 findet sich unter dem Link: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/065/1806558.pdf

Phytokongress 2015 — Human- und Veterinärphytotherapeuten unter einem Dach, ist das sinnvoll?

Zeitschrift für Phytotherapie

Man mag sich fragen: Wo sind überhaupt die Unterschiede zwischen Human- und Veterinärphytotherapeuten?
Kommt nicht (human)medizinischer Fortschritt ohnehin dem als Familienmitglied betrachteten Haustier zugute? Der Humanmediziner konzentriert sich auf den Menschen.
Der Tiermedizinstudent muss medizinisches Wissen für mindestens 8 Tierarten (Pferde, Rinder,Schafe, Ziegen, Schweine, Geflügel, Hunde, Katzen ) erwerben. Schon der Begriff Geflügel subsumiert grundverschiedene Spezies allein bei den Nutztieren wie Puten, Enten, Gänse, Hühner. Hinzu kommen in der Praxis Ziervögel, Kaninchen, Meerschweinchen und andere Nager, Fische, Bienen, Reptilien.

Bei der Medikation sind bei Mensch und Tier Alters- und Geschlechtsunterschiede, Gravidität und Laktation zu beachten. Letztere haben insbesondere bei landwirtschaftlichen Nutztieren zentrale Bedeutung, beispielsweise bei der fast ständig graviden und laktierenden Milchkuh. Hier wird dem Schutz des Feten noch der Schutz des Menschen, des Konsumenten der Milch, übergeordnet.

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Komplementäre und alternative Medizin (CAM) für Tiere

von Dr. iur. Ricarda Dill, Heilpraktikerin, Tierheilpraktikerin, Detmold & A. Christine Maaß, Tierheilpraktikerin, Köln
August 2014

tiere 02 Es gibt eine lange Tradition alternativer und komplementärer Heilverfahren am Tier. Zu den ältesten Verfahren am Tier dürften wohl schamanische Heilriten gehören, die bestehen, seitdem Menschen mit Tieren zusammenleben. Die Tierakupunktur blickt auf über 1000 Jahre zurück, während die Tierhomöopathie aus dem Ende des 18. Jahrhunderts stammt.

Homöopathie und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Pflanzenheilkunde, Osteopathie, Bioresonanztherapie, Kinesiologie oder Bach-Blütentherapie sind häufig angewandte Therapieverfahren am Tier. Wie im Humanbereich auch, sind diese Verfahren nur zum Teil wissenschaftlich anerkannt. Alle kontroversen Diskussionen, die sich auf den Nachweis der Wirksamkeit von CAM-Verfahren richten, werden in der Tiermedizin genauso ausgetragen wie in der Humanmedizin. Das Festhalten der etablierten Medizin am angeblich wissenschaftskonformen Erfordernis eines Wirksamkeitsnachweises durch wiederholbare, randomisierte, placebo-kontrollierte Studien (EBM, engl. evidence based medicine) führt zu einer Verarmung und Vernichtung des großen Schatzes an therapeutischer Erfahrung, Erkenntnis und Kultur, den die CAM zu bieten hat.

Wer wendet CAM am Tier an?

Neben Tierärzten, die eine CAM-Ausbildung vorweisen können, stehen v.a. die TierheilpraktikerInnen, die Krankheiten diagnostizieren, heilen und lindern dürfen. Darüber hinaus gibt es ein breites Spektrum an Tiergesundheitsberufen, die der Gesunderhaltung oder Gesundheitsvorsorge am Tier dienen, z.B. die Zahnheilkunde bei Pflanzenfressern, Hufpflege und Huftechnik, manuelle Therapien (Osteopathie, Physiotherapie, Chiropraktik, Dorn-Therapie), HundetrainerInnen und TierverhaltenstherapeutInnen.

Welchen Vorteil hat CAM?

Die CAM verfügt über ein breites Spektrum an Diagnose- und Therapiemöglichkeiten. Dieses Spektrum ist – von technischen Diagnosemöglichkeiten abgesehen – breiter als das Angebot an schulmedizinischen Interventionen. So verfügt alleine die Homöopathie über ein Arzneimittelreservoir (Materia Medica) von über 3000 bekannten Mitteln. In der TCM, Ayurveda-Medizin und der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) gibt es ein vergleichbar reiches und über viele Jahrhunderte tradiertes Wissen über die Wirkung von Kräutern und Pflanzen an Tieren. Die CAM stellt somit einen kulturellen Reichtum dar, der aus Erfahrung und Wissen gespeist und auch heute noch ständig erneuert wird.

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