Bericht zum Lachesis Frauengesundheitskongress 10.-12. Februar in Bielefeld

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von Nora Laubstein

Für den Kongress-Auftakt dieses Jahres sorgte Lachesis e.V.: 30 Jahre Heilpraktikerinnen-Power wurden in Bielefeld gefeiert! Dieser Heilpraktikerinnenverband erscheint als der naturheilkundliche Arm der deutschsprachigen Frauengesundheitsbewegung in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Akija Stapel, eine der drei Vorsitzenden, eröffnete den Kongress und rief zu einer positiven Würdigung und Neubewertung der traditionellen Pflanzenheilkunde auf. „Hier besteht politischer Handlungsbedarf“, stellte sie fest.

Lachesis Kongress Aikija Stapel- Foto-Jessica-Diedrich

Im dreitägigen Kongressprogramm spiegelte sich die ganze Bandbreite heutiger Herausforderungen und ging berufsübergreifend auf die unterschiedlichsten Bereiche ein. Neben naturheilkundlichen Fachvorträgen sprachen die Referentinnen über: eine stetig wachsende Kommerzialisierung und Pathologisierung der Frau, die kritische Beurteilung von Standpunkten der „Deutschen Menopause-Gesellschaft“↗ zu Menstruation und Klimakterium, die Traumatisierung von Flüchtlingen, Epigenetik und Informationsmedizin, die „feindliche Übernahme“ von Gebärfähigkeit und Geburt, die wissenschaftliche Genderdiskussion, die Standardisierung und Bewertung von CAM-Verfahren nach Evidenz-basierten Therapieleitlinien sowie feministische Perspektiven und die Zukunft der Frauengesundheitsbewegung.
Begleitend zu dieser theoretischen Erkenntnisarbeit wurde ein intensives Programm für Bewegungsnaturelle angeboten und ausgiebig genutzt (siehe Kongressseite ↗).

Den Lachesis-Frauen ist es mit diesem in Europa wohl einzigartigen Kongress gelungen, die Stärke und Lebendigkeit von 30 Jahren Frauengesundheit nicht nur zu dokumentieren, sondern auch den Finger auf offene Wunden zu legen.

Leicht irritierend im Vorfeld das Grußwort von NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens, die im gegenwärtigen Wahlkampf mit der Forderung einer Akademisierung des Heilpraktikerberufes als Bachelor-Ausbildung wirbt. Dies lehnen ja bekannter weise Die Deutschen Heilpraktikerverbände - DDH kategorisch ab.

Der Verband Lachesis e.V. stellt sich gut vernetzt dar: Hebammen, Ärztinnen, Wissenschaftlerinnen, Psychologinnen und Pädagoginnen waren präsent, sowohl als Referentin oder im Fishbowl, als auch im Publikum.

Laut dem neuesten Bericht des statistischen Bundesamtes waren Ende 2015 in Deutschland 47 000 Heilpraktiker („Berufe der Heilkunde und Homöopathie“) registriert - davon sind 37 000 Frauen. In den Vorständen der zahlreichen deutschen Heilpraktiker-Berufsverbänden spiegelt sich dieses Verhältnis zurzeit jedoch nicht wieder.
Lediglich 1,5% dieser Heilpraktikerinnen sind in Lachesis e.V. organisiert, woran liegt das? Aus Umfragen geht hervor, dass 24 000 Heilpraktikerinnen meist in Teilzeit oder als geringfügig Beschäftigte ihre Praxen betreiben und die politische Arbeit lieber den Männern überlassen…
Noch etwas mehr Statistik: Im Bereich Ernährungs- und Gesundheitsberatung, sowie Wellness sind zurzeit etwa 16 000 Personen tätig - davon 13 000 Frauen. 555 000 Ärztinnen und 286 000 Zahnärztinnen arbeiten in ambulanten Praxen. „Sonstige medizinische Berufe“ arbeiten in 393 000 Praxen…

Fast fünf Jahre Vorarbeit waren nötig um diesen gelungenen Jubiläumskongress durchzuführen. Die hervorragende Arbeit und die besondere Vernetzung machen Lachesis auch in der deutschen Heilpraktikerlandschaft einzigartig und lassen für die Zukunft auf eine starke Stimme hoffen.