Integrative Medizin: Ein Modell nachhaltiger Entwicklung?

Autor: Rainer H. Bubenzer, (02/2011 Naturamed)  

Ist "Integrative Medizin" eher eine Art "Superwissenschaft", die nach den Vorstellungen zum Beispiel des Psychosomatikers Thure von Uexküll eine zentrale Begrenzung der modernen Medizin – den fehlenden theoretischen Unterbau – philosophisch zu überwinden sucht? [1] Oder ist es eher ein, nach historischem US-amerikanischem Modell zum Beispiel eines John Milton Scudder aufgebautes eklektisches Medizinkonstrukt [2], das mehr als die aktuelle Mainstream-Medizin westlicher Prägung auch komplementärmedizinische Vorstellungen und Verfahren integrieren möchte? Ob nun tiefes Anliegen suchender Mediziner, aktuelle Mode zur Verkaufsförderung jenseits von IGeL oder Kolonialisierung der Alternativmedizin durch die Schulmedizin (Wallach [3]) – auch der dritte Europäische Kongress für Integrative Medizin (ECIM) in Berlin [4] hat viele Fragezeichen hinterlassen – vor allem bei den klassischen Dienstleistern des ersten Gesundheitsmarktes.

Der häufigen, leicht solipsistischen Auffassung (nur das eigene ICH ist wirklich, d.Red.), in Art eines wissenschaftlichen Schmelztiegels entstünde aus konventioneller Medizin und komplementären Methoden das Amalgam der Integrativen Medizin, stellte Prof. Dr. Judith Meijer, Nationaal Informatie en Kenniscentrum Integrative Medicine (NIKIM), Amsterdam [5], eine Idee entgegen, die trotz ihrer stillen Präsentation ein Grenzen sprengendes Potential haben könnte. Meijer setzte nämlich den in Umweltwissenschaft, Ökologie, Soziologie, Ethik, Kultur oder Politik zunehmend etablierten Begriff der "Nachhaltigkeit" bzw. "nachhaltiger Entwicklung" (NE) in Bezug zu dem Begriff der "Integrativen Medizin" (IM).

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