Aufruf zur Teilnahme an einem multi-nationalen Antrag bei UNESCO auf Sowa Rigpa / Tibetische Medizin als ‘Geistigem Weltkulturerbe’

(Intangible Cultural Heritage, ICH) in Deutschland

Verband für Traditionelle Tibetische Medizin

China hat im letzten Jahr einen eigenen Antrag für Tibetische Medizin alias Sowa Rigpa, auf Tibetisch ‘das Wissen vom Heilen’, als Chinas Geistigem Kulturerbe (Intangible Cultural Heritage, kurz ICH) bei der UNESCO gestellt. Auf Grund einer nationalen UNESCO- Wartelisteregelung muss China jedoch bis zum Herbst 2016 warten, um Tibetische Medizin offiziell als ICH einschreiben zu können. Daher ist es jetzt unsere einzige Chance, Tibetische Medizin multinational und weltweit anerkannt zu bekommen und dadurch auch national jeweils den Weg zur offiziellen Anerkennung dieses Medizinsystems zu ebnen, indem wir jetzt in diesem Jahr gemeinsam einen multi-nationalen Antrag auf Sowa Rigpa (Tibetische Medizin) stellen, zu dem wir China einladen werden teilzunehmen. Wir sind explizit nicht politisch und auch nicht religiös oder sektiererisch motiviert.

Die Einschreibung in die Repräsentative Liste bei UNESCO durch einen multi-nationalen Antrag ist zeitlich nur noch bis März 2016 möglich, da UNESCO multi-nationale Anträge durch eine schnellere Einschreibung in die Liste und auch finanziell durch digitale Platformen für Infor- mationsaustausch und für Kooperationen/ Konferenzen unterstützt. Vor allem gilt zu bedenken - sobald Sowa Rigpa als multi-nationaler Antrag durch uns RECHTZEITIG eingeschrieben ist, kann China nicht mehr ICH für Tibetische Medizin für sich alleine beanspruchen sondern kann sich uns nur noch anschließen – was wir sehr hoffen.

Bis Sommer 2015 müssen die UNESCO Mitgliedsstaaten feststehen, die an diesem multi- nationalen Antrag teilnehmen werden. Wir müssen außerdem einen Hauptantragsteller benennen und uns auf eine 250 Wort lange allgemeine Definition von Sowa Rigpa/Tibetische Medizin einigen. Bis dahin müssen die beteiligten Vereine/ Institutionen/ Therapeuten eines jeweiligen Mitgliedstaates national intern durch ihre Unterschrift abgeklärt haben, daß sie teilnehmen wollen und den nationalen Ansprechpartner für UNESCO Geistiges Kulturwelterbe bzw. Das Kulturministerium des jeweiligen Landes informiert haben. Gleichzeitig wird mit einer internen nationalen Inventarliste begonnen, in der die jeweiligen spezifischen Wissensformen, Ausbildungen und Praktiken von Sowa Rigpa/Tibetische Medizin des jeweiligen Landes aufgelistet werden. Diese nationale Liste wird von den teilnehmenden Organisationen selbst aufgestellt. Ebenso wird gleichzeitig und parallell die Anerkennung der Tibetischen Medizin national verfolgt.
Bisher haben wichtige Vertreter in Asien aus Indien, Bhutan, Nepal, Mongolei, Russische Förderation/ Burjatien ihr Interesse bekundet. Die Russische Föderation hat als erster UNESCO- Mitgliedstaat ihre definitve Teilnahme am multi-nationalen Antrag offiziell zugesagt. In Indien laufen die Verhandlungen mit der Regierung. Derzeit sammeln nationale Koordinatoren für den multinationalen Antrag Unterschriften von Therapeuten und Ärzten, Vereinen, Ausbildungsstätten und Instituten in Deutschland, Schweiz, Österreich, Italien, Niederlande, UK, sowie in den USA. Eine internationale Konferenz zur multi-nationalen Koordination und Definition sowie Einreichung dieses Antrags bei UNESCO ist für Ende 2015/ Anfang 2016 anvisiert.

Wozu ein multi-nationaler Antrag?

Wenn China als einziger UNESCO-Mitgliedstaat seinen eigenen Antrag für Tibetische Medizin durchsetzt, überlassen wir China uneingeschränkt das Monopol auf dieses so wichtige tibetische Kulturerbe und verhelfen seinen alleinigen kulturellen Anspüchen auf die Tibetische Medizin zu weltweiter Anerkennung. Dabei riskieren wir eine Verarmung der Diversität von Sowa Rigpa/ Tibetischer Medizin, die nicht nur innerhalb Chinas sondern weltweit durch Migration von Ärzten und seit vielen Jahrhunderten bereits auch von anderen Kulturen in anderen Ländern ausgeübt wird, wie beispielsweise in Indien (Ladakh), Nepal, Bhutan, Mongolei, Russische Förderation sowie Europa und Amerika. Wenn wir nicht handeln und teilnehmen, laufen wir außerdem Gefahr, neben einer einseitigen ideellen und nationalistischen Vereinnahmung von Sowa Rigpa/Tibetischer Medizin durch Chinas Alleingang auch die potentielle Ausbeutung durch die uneingeschränkte Massenproduktion wildwachsender Heilkräuter auf dem Tibetischen Plateau für den Chinesischen Markt sowie einer forcierten Modernisierung der Tibetischen Medizin Vorschub zu leisten. Durch unsere weltweite Teilnahme machen wir klar, daß diese tibetischen Heilpflanzen auf der ganzen Welt gebraucht und schützt werden müssen. Sie wird uns dazu befähigen, bei der UNESCO bestimmte Rechte und ökologische Nachhaltigkeit zumindest einzufordern. Außerdem kann China, sobald es alleinig eingeschrieben ist für ICH-Tibetische Medizin, andere Mitgliedstaaten, die später hinzustoßen wollen – und zwar ganz gleich unter welchem Namen – daran hindern beizutreten! Es hat dann sozusagen ein Veto-Recht.
Die UNESCO bietet durch multinationale Anträge auf ein gemeinsames Kulturerbe eine breite Definition von Diversität. Wir müssen uns daher die Anerkennung der Tibetischen Medizin als Geistigem Weltkulturerbe zu Nutze machen und müssen uns multi-national daran beteiligen. Priorität wird demjenigen Staat bzw. Multinationalem Antrag gegeben, der zuerst eingeschrieben wird! Und multi-nationale Anträge erhalten von vorne herein Priorität!

Siehe genauere Informationen auf der UNESCO Website.

Was ist zu tun?

Wir sind zwar unter Zeitdruck, um die rechtzeitige Einschreibung für Tibetische Medizin zu erwirken, haben jedoch folgende Vorteile von einer Teilnahme an der multi-nationalen Einschreibung von Sowa Rigpa/Tibetische Medizin als Geistigem Weltkulturerbe/ in die Representative Liste durch UNESCO:

  • Wir werden China’s nationalem Antrag und seiner Vereinnahmung der Tibetischen Medizin zuvorkommen und tragen dadurch zum Erhalt der Diversität und der Nachhaltigkeit der Tibetischen Heilkräuter und der Medizin als einem eigenständigen asiatischen Medizinsystem weltweit bei.
  • Die weltweite Anerkennung von Sowa Rigpa/ Tibetischer Medizin als einem eigenständigen asiatischen Medizinsystem wird Praktitizierenden, Therapeuten,
    Patienten und Auszubildenden durch die Teilnahme des eigenen Landes auch national zur offiziellen Anerkennung verhelfen.
  • Wir demonstrieren durch unsere Teilnahme, daß Sowa Rigpa - Tibetische Medizin sowohl in unserem Land als auch in anderen Ländern divers praktiziert wird und belegen somit seine multi-nationale Existenz und Bedeutung für unsere Patienten, Schüler und Gemeinschaften.
  • Eine Anerkennung der multi-nationalen Existenz von Sowa Rigpa/Tibetischer Medizin beruht sozusagen auf unserer multi-nationalen Kooperation, die dadurch gleichzeitig unterstützt wird.
  • Wir demonstrieren und belegen, daß Sowa Rigpa/Tibetische Medizin auf national jeweils spezifische Weise auf dem Tibetischen Plateau und quer durch den Himalaya sowie in Zentralasien und im Westen in Europa und in Amerika divers praktiziert wird und eine jeweils eigene Geschichte und Entwicklung durchlaufen hat, jedoch auf einer gemeinsamen schriftlichen Textgrundlage und einem traditionellen medizinischen Wissen beruht, wie sie in den Vier Tantras, dem Gyüshi, festgehalten ist.
  • Jeder Mitgliedsstaat, der teilnimmt, bestimmt den Inhalt von Sowa Rigpa/Tibetische Medizin selbst: denn Sie müssen als Vertreter von Vereinen/ Institutionen/ Therapeuten/ Nichtregierungsorganisationen der Tibetischen Medizin selbst eine national spezifische ‘Inventarliste’ aufstellen. Somit wird selbst bestimmt, was aufgelistet wird und was nicht. Bedenken Sie dabei, daß UNESCO auf Sie zurückkommen wird, und Sie um eine Dokumentation der Veranstaltungen, Praktiken und Wissensformen anfragen wird.

Sie sind daher aufgefordert, als Therapeut/ Arzt/ Verein/ Institution/ Nichtregierungsorganisation mit Interesse an der Tibetischen Medizin durch Ihre Unterschrift im beiligenden Formular für Ihr Land den multi-nationalen Antrag für Sowa Rigpa/ Tibetische Medizin zu unterstützen. So stellen Sie sicher, daß Ihr Land als UNESCO-Mitgliedsstaat an der multi-nationalen Kooperation für Sowa Rigpa/Tibetische Medizin aktiv teilnimmt.

Für Deutschland übernimmt Frau Dr Mona Schrempf, Vize-Präsidetin des Yuthok – EVTTM, die Koordination für die national interne Unterschriftensammlung. Diese wird dann nur dem UNESCO-Vertreter für ICH in Deutschland vorgelegt.
Der Yuthok – EVTTM (Europäischer Verein für Traditionelle Tibetische Medizin/ www.everbandttm.org) koordiniert den multinationalen Antrag auch international.
Bitte lesen und unterschrieben Sie die folgende UNESCO ICH-Teilnahmeform für Deutschland und schicken Sie sie an:
Dr. Mona Schrempf (EVTTM), Westpreussenring 19, D-66121 Saarbrücken Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

UNESCO ICH Teilnahmeform für Deutschland Anhang

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