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Association for Natural Medicine in Europe e.V.

...für eine naturbasierte Gesundheitsförderung in Europa!

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Es geht um mehr als Homöopathie

Beitrag von Dr. rer. nat. Klaus Zöltzer


Beim Bundesparteitag der Grünen wurde intensiv über Homöopathie diskutiert. In einem Antrag wurde gefordert, dass gesetzliche Krankenkassen homöopathische Behandlungen nicht mehr erstatten dürfen, weil nur „wissenschaftliche Medizin“ bezahlt werden solle; homöopathische Verfahren gelten in diesem Verständnis nicht als dazugehörig. In mehreren Redebeiträgen wurde Homöopathie als unwirksam, unwissenschaftlich oder gar als Unsinn abgewertet, und der Erfahrungsbericht eines Arztes mit vielen positiven Behandlungen fand keine wirkliche Beachtung. Die Stimmung im Plenum war eindeutig: Die Grünen sehen sich als Partei der Wissenschaft, und in diesem Selbstbild soll Homöopathie keinen Platz haben; der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen und die Ablehnung von Homöopathie sogar bejubelt.

Aus heilpraktischer Sicht geht es dabei aber nicht nur um eine einzelne Methode, sondern um eine grundsätzliche Weichenstellung: Alles, was nicht in ein bestimmtes, eng gefasstes wissenschaftliches Weltbild passt oder nicht als „wissenschaftlich anerkannt“ gilt, soll marginalisiert oder ausgeschlossen werden. Wissenschaft ist jedoch weit komplexer als ein einfaches Ja-Nein-Schema, und viele Zusammenhänge sind nur unvollständig verstanden oder statistisch unterschiedlich interpretierbar. Dadurch entstehen Spielräume, in denen Studien so angelegt oder ausgewertet werden, dass sie bestimmte politisch oder wirtschaftlich gewünschte Ergebnisse stützen, während andere – etwa positive Studien zu homöopathischen Behandlungen – eher ignoriert oder nicht offen kommuniziert werden.

Wissenschaft, Erfahrung und lebendige Praxis

Wissenschaft sollte beweglich sein: bereit, Irrtümer zuzugeben, sich zu korrigieren und ohne ideologische Scheuklappen weiter zu lernen. Die Geschichte zeigt jedoch, dass neue Denkansätze zunächst häufig bekämpft oder lächerlich gemacht werden, bevor sie sich durchsetzen – Beispiele sind etwa die zunächst abgelehnte Relativitätstheorie Einsteins, die Ignoranz gegenüber den Erkenntnissen von Ignaz Semmelweis oder die anfängliche Ablehnung von Narkosemitteln. Aus Sicht eines Heilpraktikers ist dies nicht nur ein historischer Rückblick, sondern eine Mahnung, heutige „abseitige“ Verfahren nicht vorschnell zu verwerfen, nur weil sie nicht in die herrschenden Modelle passen.

Die Wirklichkeit des lebendigen Menschen ist hochkomplex. Bereiche wie Seele, Bewusstsein, biografische und karmische Prägungen, Beziehungsmuster oder Phänomene wie Telepathie, energetische Prozesse und Akupunktur werden bislang nur ansatzweise erklärt. Auch die Homöopathie bewegt sich in diesem Feld, in dem die Wirkmechanismen mit den derzeit vorherrschenden Modellen nicht erfassbar sind. Gleichzeitig zeigt gerade der klinische Alltag, dass selbst etablierte Verfahren – wie etwa Narkosen – in ihren feinen Wirkzusammenhängen bis heute nicht lückenlos verstanden sind. Wissenschaft arbeitet mit Modellen, die nützlich sein können, aber die Realität nie vollständig abbilden; Heilpraktiker erleben die Grenzen dieser Modelle täglich in der direkten Arbeit mit individuellen Menschen.

Wissenschaft ist nicht frei von Interessen

Wissenschaft wird von Menschen gemacht und ist deshalb nie völlig frei von Einflussfaktoren wie Geld, Anerkennung, Karriereinteressen, Angst oder Machtstreben. Weil wissenschaftliche Aussagen enormen Einfluss auf Politik, Gesundheitswesen und öffentliche Meinung haben, werden sie genutzt, um Deutungshoheit und Einfluss zu sichern. In der jüngeren Vergangenheit zeigte sich das etwa im Umgang mit „wissenschaftlichen“ Begründungen in der Pandemiepolitik, wo sich viele Menschen einer zunehmend verengten, politisierten Form von „Wissenschaft“ gegenüber sahen.

Problematisch wird es, wenn innerhalb der Wissenschaft zunehmend Druck entsteht, sich der Mehrheitsmeinung anzupassen und kontroverse Fragen zu vermeiden. Fachleute, die abweichende Positionen vertreten, riskieren Reputationsverlust und Fördermittel; Laien oder Praktiker, die auf Basis eigener Erfahrung etablierte Positionen hinterfragen, werden schnell als „unwissenschaftlich“ abgetan. Aus heilpraktischer Sicht droht hier eine Art Ersatzreligion: Parolen wie „Follow the science“ wirken dann ähnlich autoritär wie frühere Formeln à la „Die Partei hat recht“ oder „Die Kirche hat gesprochen“ – nur dass heute das Etikett „Wissenschaft“ an die Stelle früherer Autoritäten tritt.

Der Mensch im Mittelpunkt des Heilpraktikers

Für Heilpraktiker ist der einzelne Mensch mit seiner Lebensgeschichte Ausgangspunkt jeder Behandlung. Üblicherweise wird der Patient auf mehreren Ebenen betrachtet: körperlich, seelisch, energetisch, sozial und biografisch. Das ist der Kern der ganzheitlichen Herangehensweise. Dazu gehören – je nach Ausrichtung – auch Aspekte wie Seele, Karma, Miasmen, unbewusste Konflikte, systemische Verstrickungen und vieles mehr; in vielen Fällen spiegeln sich seelische, karmische und biografische Themen unmittelbar in den körperlichen Beschwerden.

Therapeutisch werden dabei auch Verfahren genutzt, deren Wirkweise mit heutigen naturwissenschaftlichen Modellen schwer oder gar nicht zu erklären ist, etwa Homöopathie, bestimmte energetische Methoden oder geistige Heilweisen. Die Praxis zeigt jedoch immer wieder, dass genau diese Ansätze für bestimmte Patienten entscheidende Wendepunkte bringen können – gerade dort, wo der rein symptomorientierte Ansatz der Schulmedizin an Grenzen stößt. Heilpraktiker erleben in der täglichen Arbeit, wie stark Faktoren wie Beziehung, Vertrauen, Lebenssinn, innere Konflikte oder spirituelle Fragen den Verlauf von Krankheit und Heilung beeinflussen; diese Erfahrungsdimension wird unter dem Begriff „Erfahrungsheilkunde“ zusammengefasst und stellt einen eigenen, unverzichtbaren Wert dar.

Verantwortung und Haltung des Heilpraktikers

Viele Heilpraktiker begrüßen Forschung und wissenschaftliche Vertiefung, solange sie tatsächlich dem besseren Verständnis des Menschen dient – etwa beim Verstehen biochemischer Vorgänge, Regulationsprozesse oder psychosomatischer Zusammenhänge. Aus heilpraktischer Sicht ist es aber nicht akzeptabel, wenn unter dem Schlagwort „Wissenschaftlichkeit“ alles aussortiert wird, was nicht in ein enges Studienraster passt oder sich noch nicht in Leitlinien wiederfindet. Dann würden gelebte Erfahrung, Intuition, Beziehungs- und Prozessarbeit, spirituelle Dimensionen und jahrzehntelang bewährte Therapiewege entwertet oder verdrängt.

Ebenfalls problematisch ist es, wenn innerhalb der Heilpraktikerschaft bestimmte Verfahren nur deshalb besonders unterstützt oder andere abgelehnt werden, um gegenüber Politik, Kassen oder Medien „anschlussfähig“ zu wirken. Auch in diesem Feld besteht die Gefahr, dass wirtschaftliche Interessen, persönliche Profilierung oder Anpassungsdruck wichtiger werden als das reale Wohl des Patienten. Aus heilpraktischer Sicht muss die oberste Leitlinie lauten: Das Wohl und die Gesundung des einzelnen Menschen stehen über Imagefragen, Ideologien und Geschäftsmodellen – und dazu gehört ausdrücklich die Freiheit, Methoden zu nutzen, die sich am konkreten Menschen bewährt haben, auch wenn ihre Wirkweise wissenschaftlich (noch) nicht vollständig erklärt ist.

Plädoyer für echte Pluralität

Für Heilpraktiker bedeutet die aktuelle Debatte um Homöopathie und andere „nicht anerkannte“ Verfahren daher eine grundlegende Richtungsentscheidung: Soll das Gesundheitswesen sich weiter öffnen für unterschiedliche Zugänge zum Menschen oder sich auf einen engen, rein naturwissenschaftlich definierten Korridor reduzieren? Aus heilpraktischer Sicht braucht es eine echte Pluralität: Platz für Evidenz-basierte Medizin, aber ebenso für Erfahrungsheilkunde, spirituelle und seelische Dimensionen und individuelle Therapiewege.

Ein Gesundheitswesen, das den Menschen in seiner ganzen Komplexität ernst nimmt, kann von einer respektvollen Zusammenarbeit zwischen Schulmedizin, Naturheilkunde und anderen Heiltraditionen enorm profitieren. Heilpraktiker verstehen sich hier als Anwälte eines erweiterten Menschenbildes: Der Patient ist nicht nur Körper und Diagnose, sondern ein einzigartiges Wesen mit Geschichte, Sinnfragen und Entwicklungspotenzial – und genau dafür braucht es mehr als nur ein einziges, vermeintlich endgültiges Wissenschaftsmodell.

Dr.rer.nat. Klaus Zöltzer
Heilpraktiker, Dipl.-Physiker
1.Vorsitzender Union Deutscher Heilpraktiker, LV Hessen
Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Naturheilbundes
Union Deutscher Heilpraktiker, Landesverband Hessen e.V.
Waldstraße 21
61137 Schöneck
Telefon 06187-8428
kontakt(at)udh-hessen.de